Verbindliche Auszahlung des Preises bei Online-Quiz

Amtsgericht Muenchen

Urteil v. 16.04.2009 - Az.: 222 C 2911/08

Leitsatz

Ein im Internet veranstaltetes Quiz ist ein Geschicklichkeitsspiel und kein Glücksspiel. Die richtige Antwort hängt nämlich nicht vom Zufall, sondern vom Wissen ab. Der versprochene Preis stellt eine verbindliche Auslobung dar und muss dem Gewinner ausgezahlt werden.

Sachverhalt

Der Kläger begehrte die Auszahlung seines Gewinns.

Er nahm an einem von der Beklagten veranstalteten Online-Quiz teil. Die Spielbedingungen sahen vor, dass jede Frage richtig beantwortet werden musste, um an der nächst höheren Stufe teilnehmen zu können. Je höher die Stufe war, die der Teilnehmer erreichte, desto höher war das Gewinnversprechen. Wer zu Stufe 10 gelangte, sollte von der Beklagten eine Million Euro erhalten. Da der Kläger alle Fragen inklusiver der zehnten Stufe richtig beantwortet hatte, verlangte er die Auszahlung des Gewinns. Die Beklagte war der Auffassung, dass das Gewinnversprechen nicht verbindlich sei, da es sich lediglich um ein durch Zufall bestimmtes Spiel gehandelt habe.

Der Kläger ersuchte daher gerichtliche Hilfe.

Entscheidungsgründe

Der Richter gab der Klage statt.

Er entschied, dass es sich bei dem Internet-Rätsel um ein Geschicklichkeitsspiel gehandelt habe, wo nicht das Zufallselement im Vordergrund stehen würde, sondern das Wissen. Denn ein Quiz sei entscheidend davon geprägt, dass der Teilnehmer die zutreffende Antwort ankreuze. Es sei wesentlich wahrscheinlicher, dass dies geschehe, wenn der Teilnehmer geistige Fähigkeiten, Aufmerksamkeit und Geschick an den Tag lege. Beim Glücksspiel sei das Ergebnis nicht zu beeinflussen und allein vom Zufall abhängig.

Da es hier vorliegend um die Beantwortung von Fragen gegangen sei, die von dem Spieler geistige Fähigkeiten verlangt hätten, sei nicht der Zufall entscheidend gewesen. Der versprochene Preis stelle damit eine verbindliche Auslobung dar und müsse dem Gewinner ausgezahlt werden.